Ausgabe April 2008

Auf einem Sonderweg nach Westen

Die Blätter in den 80er Jahren

„History is what hurts“ (Frederic Jameson)

Die Debatte um die Nachrüstung amerikanischer Mittelstreckenraketen wühlte Anfang der 80er Jahre nicht nur die Republik auf, sondern hatte auch kollaterale Effekte, was die Staatsbilder und -verhältnisse der verschiedenen Kritikergruppen betraf. Denn es ging hier ja nicht allein um eine Konfrontation mit der bundesdeutschen Politik, sondern gerade indem diese einer vehementen Kritik unterzogen wurde, definierten und modifizierten sich auch die Kritikerpositionen selbst. Niklas Luhmann hatte mit Blick auf die integrativen Mechanismen oppositionellen Verhaltens bemerkt, es ginge diesen Bewegungen letztlich darum, im Dagegensein dazu zu gehören – und genau diese Perspektive ist aufschlussreich, wenn man sie auf die Akteure der Friedensbewegung anwendet.

Wie in der historischen Rückschau deutlich wird, stand das Verhältnis zum Staat der Bundesrepublik im Mittelpunkt der damaligen Diskussionen. In der Nachrüstungsdebatte bündelten sich viele der in den zurückliegenden Jahren akkumulierten Staatsbilder, um durch die Gestalt eines unberechenbaren Rüstungsstaates ergänzt zu werden, der das Überleben der Deutschen auf einem künftigen Schlachtfeld Mitteleuropa aufs Spiel zu setzen bereit war.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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