Ausgabe Januar 2010

Der lange Schatten der Apartheid

Im September 2009 erklärte der südafrikanische Präsident Jacob Zuma überraschend, die ANC-Regierung werde ihre Einwände hinsichtlich einer Klage gegen die internationalen Profiteure der Apartheid nicht länger aufrecht-erhalten. Konkret sollen multinationale Konzerne vor Gericht gestellt werden, die unter Missachtung der UN-Sanktionen mit dem Apartheidregime gute Geschäfte machten und es auf diese Weise stabilisierten. Mit diesem Paukenschlag bricht Zuma sichtbar mit der Praxis seines Amtsvorgängers Thabo Mbeki, der ein gerichtliches Vorgehen stets abgelehnt hatte.

Diese Klage gegen die internationalen Konzerne zeigt, dass das Erbe der Apartheid die Geschicke Südafrikas immer noch belastet. Auch 15 Jahre nach der ersten demokratischen Wahl und elf Jahre nach dem Abschluss der Arbeit der „Wahrheits- und Versöhnungskommission“ ist die nationale Aussöhnung weiterhin eine große Herausforderung. Bis heute wirken die Entmündigung, Ausbeutung und Unterdrückung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit durch das weiße Apartheidregime auf vielfältige Weise nach.

Als erste hatte die Organisation Khulumani, die sich als Interessenvertretung von Apartheidopfern definiert, die Klage gegen die internationalen Profiteure des Apartheidregimes angestrengt. „Khulumani“ ist ein Nguni-Wort und bedeutet übersetzt: „frei und öffentlich sprechen“.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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