Ausgabe September 2010

Kurzgefasst

Robert Misik: Weltverbesserung reloaded. Links sein heißt progressiv sein

Landläufig wird linke Politik mit Kritik assoziiert: Genial dagegen statt dafür. Der Publizist Robert Misik plädiert für das Gegenteil: Links steht für Fortschritt. Die Finanz- und Wirtschaftskrise habe den Beweis dafür erbracht, dass die linken Kräfte nicht nur über Sozial-, sondern auch über Wirtschaftskompetenz verfügen.

 

Edelbert Richter: Für eine linke Tradition, wider den Konformismus.
Zu Ehren Walter Benjamins

Vor 70 Jahren starb der große Kulturphilosoph Walter Benjamin auf der Flucht vor den faschistischen Schergen. In seinem Geiste plädiert der Theologe und Politiker Edelbert Richter für die Bewahrung linker Tradition.

 

Rudolf Hickel: Milliardenverbrechen Steuerhinterziehung

Der Ankauf von CDs mit Daten von Steuerhinterziehern hat in deutschen Medien hohe Wellen geschlagen. Der eigentliche Skandal reicht allerdings weit tiefer. Rudolf Hickel, Professor für Finanzwissenschaft und Mitherausgeber der „Blätter“, durchleuchtet das gewaltige strukturelle Versagen beim Kampf gegen Steuersünder – auf nationaler, europäischer und globaler Ebene.

 

Jörg Goldberg: Der „neue IWF“: Krisenfeuerwehr oder Systemwächter?

Angesichts der internationalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise muss sich der Internationale Währungsfond (IWF) zum wiederholten Male neu erfinden. Der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Goldberg zeichnet dessen Wandlungs(un)fähigkeit nach und beleuchtet Struktur und Selbstverständnis des „neuen IWF“, bei dem es sich doch um ganz den alten handeln könnte.

 

Gunnar Henrich: Soft Power China?

Der wirtschaftliche Aufstieg der Volksrepublik China scheint schier unendlich. Doch anders als von vielen Beobachtern erwartet, verfolgte die aufstrebende Großmacht nach 1989 einen Kurs der Kooperation und nicht einen der Konfrontation. Der Politologe Gunnar Henrich analysiert die Merkmale der chinesischen „Soft Power“, mit der das Reich der Mitte ganz gezielt seine Interessen durchzusetzen vermag.

 

Falk Hartig: Konfuzius im Dienste der KP

Doch wie funktioniert die chinesische „Charmeoffensive“ en détail? In einem zweiten Beitrag zur „Soft Power“ Chinas erläutert der Sinologe Falk Hartig die Rolle der „Konfuzius-Institute“ als neues zentrales Element dieser außenpolitischen Strategie.

 

Dieter Senghaas: Gerechter Friede statt Gerechter Krieg. Die Lehre der letzten Dekade

Die vergangene Dekade war unter friedenspolitischen Gesichtspunkten eine verlorene. Umso mehr ist nach Ansicht von Dieter Senghaas, Prof. em. für internationale Politik und Gesellschaft an der Universität Bremen, eine Debatte über Friedenssicherung im 21. Jahrhundert geboten. Dem fatalen Konzept des „Gerechten Krieges“ gilt es mit der Alternative eines „Gerechten Friedens“ zu begegnen.

 

Charlotte Wiedemann: Irrweg Migration. Wie Auswanderung zum Entwicklungshemmnis wird

Migration in die reichen Staaten Europas erscheint für viele junge Menschen des globalen Südens als einzige Möglichkeit zu einem besseren Leben. Was aber sind die Folgen der massenhaften Abwanderung für die Gesellschaften der Herkunftsländer, insbesondere in Afrika? Die Journalistin Charlotte Wiedemann analysiert das Problem mit Blick auf Mali und wirft gutmeinenden Migrationsbefürwortern vor, dass sie deren negative Auswirkungen leichtfertig übersehen.

 

Patrick Bahners: Fanatismus der Aufklärung. Zur Kritik der Islamkritik

In der islamkritischen Debatte wird von radikalen Vorreitern die Unvereinbarkeit des Islam mit einer aufgeklärten, offenen, demokratisch und rechtstaatlich verfassten Gesellschaft postuliert. Patrick Bahners, Leiter des Feuilletons der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, übt daran heftige Kritik und unterzieht die Islamkritik selbst einer radikalen Analyse.

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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