Ausgabe Dezember 2011

Kurzgefasst

Harald Welzer: Aus Fremdzwang wird Selbstzwang. Wie das Wachstum in die Köpfe kam

Seit der Industrialisierung hat die Wachstumsideologie nicht nur von der Wirtschaft, sondern auch von unserer Psyche Besitz ergriffen. Der Sozialpsychologe Harald Welzer, Direktor am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen, legt die Konsequenzen dieser fatalen Entwicklung offen: Das Wachstumsimperativ hat den globalisierten und flexibilisierten Menschen geschaffen. Doch das Streben nach unendlichem Wachstum scheitert an der Endlichkeit der Ressourcen und des menschlichen Lebens.

Ellen Meiksins Wood: Die Grenzen des Kapitalismus. Eine demokratische Wirtschaftslogik denken

In der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise treten die Grenzen des kapitalistischen Wirtschaftssystems offen zu Tage. Ellen M. Wood, emeritierte Politikprofessorin der York Universität in Toronto, fragt, welche Ziele antikapitalistische Bewegungen in dieser Situation verfolgen sollten. Dabei kommt sie zu einem radikalen Befund: Statt den Kapitalismus zu reformieren, sollte die Linke eine neue, demokratische Wirtschaftslogik denken.

Harald Schumann: Das Brot an den Börsen: Wetten auf Hunger

Rund eine Milliarde Menschen verfügen über nicht genug Ressourcen, um sich ausreichend zu ernähren. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts haben steigende Nahrungsmittelpreise den Hunger auf der Welt massiv verschärft – und zugleich Börsen wie Banken hohe Gewinne beschert. Der Journalist Harald Schumann entlarvt, wie Spekulanten mit Milliardenwetten die Preise für Lebensmittel in die Höhe treiben und damit unvorstellbares menschliches Leid hervorrufen.

Frank Überall: Die Ethik der Korruption

Ganz Europa spricht von der Misswirtschaft und Bestechlichkeit im Süden des Kontinents. Doch auch in Deutschland ist Korruption längst zu einem handfesten Problem geworden. Der Politologe Frank Überall weist nach, zu welchen subtilen Strategien die Profiteure der Korruption greifen, um ihre Netzwerke gezielt zu verschleiern. Um die Korruption hierzulande einzudämmen, hilft allein verstärkte Aufmerksamkeit und ein Höchstmaß an Transparenz.

Michael R. Krätke: Erfurt zum Zweiten. Ein linkssozialdemokratisches Programm für eine sozialistische Partei

Nach langer Debatte hat sich die Linkspartei auf ihrem letzten Parteitag in Erfurt auf ein neues Grundsatzprogramm verständigt. Michael Krätke, Professor für Politische Ökonomie an der Universität Lancaster, analysiert das neue Positionspapier. Sein Fazit: SPD und Linkspartei stehen sich heute inhaltlich näher, als es ihre Protagonisten wahrhaben wollen.

Nichi Vendola: Ein anderes Italien

17 Jahre nach Beginn seiner ersten Amtszeit ist der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi zurückgetreten. Seine Bilanz ist verheerend: Er hinterlässt ein sozial tief gespaltenes Land mit hoher Arbeitslosigkeit. Der italienische Politiker Nichi Vendola, Ministerpräsident der Region Apulien und Anwärter auf die Spitzenkandidatur eines Mitte-Links-Bündnisses, analysiert die fatalen Folgen der Regierungspolitik Berlusconis und präsentiert das Modell eines anderen, gerechteren Italien.

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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