Ausgabe Juli 2014

Kurzgefasst

Vandana Shiva: Öko-Apartheid: Der Krieg gegen die Erde, S. 45-53 

In vielen Köpfen, vor allem in den mächtigen, sind Ökonomie und Ökologie noch immer fundamental getrennt. Diese Trennung führt zu einem Krieg gegen die Erde und ihre Bewohner, letztendlich also gegen uns selbst. Vandana Shiva, indische Umweltaktivistin und Feministin, nennt diesen Zustand die „Öko-Apartheid“. Um sie zu überwinden, müssen wir den wirtschaftlichen Reduktionismus ersetzen, und zwar durch eine ganzheitliche und plurale Denkkultur und Lebensweise.

Naomi Klein: Machen wir Halt: Der Kampf unseres Lebens, S. 55-60

Der globale Klimawandel nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. Dennoch scheinen wir völlig unfähig, diesem Menschheitsproblem wirksam zu begegnen. Die kanadische Journalistin und Autorin Naomi Klein sucht nach den tieferen Wurzeln unseres Versagens – in unseren Verhaltensmustern und den herrschenden Anschauungen unserer Kultur, in unserem Innersten selbst. Ihre Forderung: Machen wir endlich Halt und dem ständigen Verlangen nach Mehr ein Ende.

Peter Schaar: Privatsphäre als Menschenrecht. Edward Snowden und die Kontrolle der Macht, S. 61-72

Die Privatsphäre ist ein Menschenrecht, doch sie findet in der Debatte um internationalen Datenschutz kaum Beachtung. Speziell das Internet wird weiterhin als extranationaler Raum und somit als rechtliche Grauzone behandelt. Der ehemalige Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Peter Schaar, appelliert daher an die EU, dem Recht auf Privatheit endlich die ihm angemessene Priorität einzuräumen – allem internationalen Druck, insbesondere der USA, zum Trotz.

Hans-Jürgen Urban: Stillstand in Merkelland: Wo bleibt die Mosaik-Linke? S. 73-82

Die Große Koalition unter Führung von Angela Merkel zeichnet sich durch politischen Stillstand und das schiere Verwalten der großen gesellschaftlichen Themen aus. Doch auch die Opposition scheint anhaltend konzeptionslos zu sein. „Blätter“-Mitherausgeber Hans-Jürgen Urban kritisiert das Fehlen einer linken Strategie, um Handlungsfähigkeit zurückzuerobern, und skizziert Akteure und Bausteine einer künftigen linken Politikagenda.

Axel Troost und Rainald Ötsch: Bail-in statt Bail-out: Bankenunion ohne Biss, S. 83-91

Zwei Jahre lang befand sich die EU-Bankenunion in der Planungsphase; nun wurden die Ergebnisse präsentiert. Axel Troost, MdB der Linkspartei, und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Rainald Ötsch nehmen sie unter die Lupe. Ihr Befund: viel Schatten, wenig Licht. Ohne eine grundlegende Reform des Bankensektors werden die Steuerzahler auch in Zukunft für marode Banken haften müssen – allen beschlossenen Maßnahmen zum Trotz.

Wibke Hansen: Der unsichtbare Gegner. Organisierte Kriminalität in fragilen Staaten, S. 93-101 

Die Zahl internationaler Friedenseinsätze zur Stabilisierung zerbrechlicher oder bereits zerbrochener Staaten nimmt beständig zu, doch ein entscheidender Faktor wird dabei ebenso beständig ausgeblendet: die organisierte Kriminalität. Die Politikwissenschaftlerin Wibke Hansen untersucht deren Einfluss auf Politik und Gesellschaft fragiler Staaten – und damit auf die Erfolgschancen von Friedenseinsätzen. Ihr Fazit: Um sich nachhaltig für Frieden zu engagieren, ist ein entschiedenes Umdenken nötig.

Herfried Münkler: Die Eskalation des Schreckens. Von der Julikrise 1914 zur Politik der „revolutionären Infizierung“, S. 102-112

Der Erste Weltkrieg gilt als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Diese wurzelt aber weniger in den Ursachen des Kriegsausbruchs, als vielmehr in den politisch-strategischen Entscheidungen, die in dessen Verlauf getroffen wurden. Herfried Münkler, Professor für Politikwissenschaften an der Humboldt Universität in Berlin, beleuchtet diese Entschlüsse und liefert so eine neue Erklärung für die ungeheuren Folgen und Verheerungen des Ersten Weltkriegs.

Micha Brumlik: War Marx Antisemit? Judenfeind der Gesinnung, nicht der Tat, S. 113-120

Gibt es linken Antisemitismus? Diese Frage ist Gegenstand oft hitziger Debatten. „Blätter“-Mitherausgeber Micha Brumlik geht einen Schritt weiter und fragt nach dem Antisemitismus bei Karl Marx. Er beleuchtet den historisch-politischen Kontext der Marxschen Frühschriften und identifiziert Marx als systematischen Feind des Judentums.

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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