Ausgabe Juni 2015

Berliner Ampeleien

Auf eines kann man sich im politischen Berlin verlassen: Kaum scheint die malade FDP ein wenig genesen, ist bereits von ihrer „Wiederauferstehung“ die Rede. Und natürlich vor allem zu einem Zweck, um die geliebten koalitionären Farbspiele zu betreiben.

Springers Mann für visionäre Ampeleien ist Ulf Poschardt, Vize-Chef der „Welt“. Gegen das „machiavellistische Perpetuum mobile“ des Merkelianismus entdeckt er die neue Wunderwaffe: Rot-Gelb-Grün. Und die Verkörperung dieser neuen linksliberalen Traumkoalition hat Poschardt auch schon ausgemacht: Frank-Walter Steinmeier – „weil er von all den Führungsfiguren der Sozialdemokraten sicherlich die solideste Mischung aus Erfahrenheit und Charisma besitzt.“ Potztausend, bisher wurde manches mit FWS in Verbindung gebracht, aber Charisma war nicht darunter.

Doch Porsche-Poschardt, einmal in Fahrt, kann das nicht beeindrucken. Er weiß, was anderen bisher verborgen blieb: „Steinmeier ist seit seiner letzten Kandidatur gewachsen, er ist lässiger, entspannter und hedonistischer geworden. Als aufgeklärter Bohemien wäre er Botschafter jener neuen Gründerzeit, die unter Merkels listiger Kanzlerschaft möglich wurde.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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