Ausgabe September 2015

Burundi: Der trügerische Frieden

Burundi hat gewählt und Präsident Pierre Nkurunziza wie erwartet in seinem Amt bestätigt. Und doch ist alles anders. Denn die Spannungen um die umstrittene Wiederwahl haben das Land geradewegs in den Ausnahmezustand und an den Rand eines Bürgerkrieges befördert. Am 2. August kam einer der engsten Vertrauten Nkurunzizas, der frühere Geheimdienstchef Adolphe Nshimirimana, bei einem Raketenangriff ums Leben. Ein paar Tage später überlebte der Menschenrechtsaktivist Pierre Claver Mbonimpa nur knapp ein Attentat, das auf ihn verübt wurde. Die Sicherheitslage spitzt sich erneut zu.

Bereits in den Monaten vor dem Wahltag des 21. Juli kam es in Burundi fast täglich zu Demonstrationen. Auslöser war die Ankündigung des regierenden CNDD-FDD (Conseil national pour la défense de la démocratie – Forces de défense de la démocratie) Ende April, dass Nkurunziza für eine dritte Amtsperiode antreten werde.

In Burundi – mit gut zehn Millionen Einwohnern einer der kleinsten und zugleich bevölkerungsreichsten Binnenstaaten der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) – regierte seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1962 immer wieder Gewalt, die sich wechselseitig gegen die Hutu (1972) und die Tutsi (1993) richtete.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Krieg im Kongo: Trump und der gordische Knoten

von Simone Schlindwein

Heute gelingt uns das, woran so viele andere gescheitert sind«, prahlte Donald Trump im Dezember 2025, als Kongos Präsident Felix Tshisekedi und dessen ruandischer Amtskollege Paul Kagame zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages im Weißen Haus eintrafen.

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.