Ausgabe Februar 2016

Kurzgefasst

Julia Gerlach: Fünf Jahre Arabellion: Das Ende eines Traums?, S. 47-56

Mit den Präsidentenstürzen in Tunesien und Ägypten begann der Arabische Frühling – als ein Fest der Demokratie. Heute wird nicht mehr gefeiert, aus dem Traum ist ein Albtraum geworden. Julia Gerlach, langjährige Korrespondentin in der arabischen Region, analysiert die Gründe für das Scheitern der Arabellion. Ihr Fazit: Die „neu-alten Regime“ haben einen fast vollständigen Sieg gegen die Kräfte des Aufbruchs davongetragen – mit einer winzigen Ausnahme.

Volker Riehl und Jonas Wipfler: Neustart oder Exodus: Afrika und die Flucht, S. 57-63

Gehen oder standhalten? Auf diese Frage antworten in Afrika Millionen von Menschen mit der Flucht. Jonas Wipfler und Volker Riehl, Misereor-Referenten für Migration und Afrika, beleuchten die unterschiedlichen regionalen und politischen Gründe dieser gewaltigen Wanderungsbewegung. Ihre Forderung: Ohne eine radikale Erneuerung der politischen Lage in Afrika wie der europäischen Entwicklungszusammenarbeit werden weder die Flucht- noch die Aufnahmestaaten dieses Problem bewältigen können.

Hans Kundnani: Die Geschichte kehrt zurück: Deutschlands fatale Rolle in Europa, S. 64-74

Seit Beginn der Eurokrise ist immer wieder von deutscher Hegemonie in Europa die Rede. Doch die Flüchtlingsbewegung hat schlagartig die Grenzen des deutschen Einflusses offenbart. Der Publizist Hans Kundnani analysiert Deutschlands Macht und Ohnmacht. Sein Fazit: Wie in der Phase ab 1871 befindet sich Deutschland wieder in der Position einer gefährlichen Halbhegemonie – und sorgt damit für anhaltende Instabilität in Europa.

Katja Kipping: Nicht immer mehr, sondern ganz anders. Warum uns die Flüchtlingsbewegung die Systemfrage stellt, S. 75-88

Die globale Flucht stellt Deutschland und Europa nicht nur vor gewaltige Integrationsherausforderungen, sondern stellt uns auch die Systemfrage. Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, argumentiert gegen die herrschenden Wahrnehmungsblockaden. Ohne die Politik der Ausbeutung und des westlichen Wirtschaftsimperialismus ist die globale Flüchtlingsbewegung nicht zu verstehen. Und ebendiese Politik muss überwunden werden, um die Fluchtursachen dauerhaft zu beheben.

Weltklima gerettet? Paris und die Folgen. Mit Beiträge von Susanne Götze, Jörg Staude, Benjamin von Brackel, Christian Mihatsch und Bernhard Pötter, S. 89-104

Bei der UN-Klimakonferenz COP 21 in Paris haben 195 Länder die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst 1,5 Grad Celsius beschlossen. Was aber hat diese Vereinbarung konkret zu bedeuten, was davon ist wirklich verpflichtend? Und wie sehen die realen Machtverhältnisse aus? Die Journalisten Susanne Götze und Jörg Staude untersuchen die alten und neuen Achsen in der Klimapolitik; die Umweltexperten Benjamin von Brackel und Christian Mihatsch beschreiben die Konsequenzen für die Weltwirtschaft; und „taz“-Umweltredakteur Bernhard Pötter analysiert Stärken und Schwächen des Abkommens, insbesondere mit Blick auf die anstehende Dekarbonisierung.

Rosemarie Will: Selbstbestimmt am Lebensende. Für ein aufgeklärtes Konzept der Sterbehilfe, S. 105-112

Sterbehilfe berührt eine im Wortsinn existenzielle Frage und ist dementsprechend gesellschaftlich umstritten. Auch die Linke zeigt sich tief gespalten und spricht sich teilweise für strafrechtliche Repression aus. Darin aber sieht die Juristin und „Blätter“-Mitherausgeberin Rosemarie Will eine unzulässige Beschränkung von Grundrechten. Sie plädiert für ein anderes, aufgeklärtes Konzept der Sterbehilfe. Nur mit einem solchen lässt sich die Autonomie des Individuums bewahren – bis zuletzt.

Katharina Sass: Bestraft die Freier! Der Erfolg der skandinavischen Sexkaufverbote, S. 113-120

Seit die rot-grüne Koalition im Jahr 2002 hierzulande die Prostitution liberalisierte, streiten Befürworter und Gegner darüber, welche Folgen das für die Beteiligten zeitigte. Der vergleichende Blick auf das europäische Ausland kommt in der deutschen Debatte allerdings erheblich zu kurz, moniert die Soziologin Katharina Sass. Sie zeichnet die Entwicklung des „nordischen Modells“ nach und befürwortet dessen Sexkaufverbot. Dieses stützt sich auf hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und will die Prostitution langfristig überwinden.

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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