Ausgabe Juni 2018

Marokko: Die Rebellion der Vernachlässigten

Marokko gilt vielen deutschen Politikern als Fels in der Brandung in einer unberechenbaren Region. Bundesinnenminister Horst Seehofer wird nicht müde, von einem „sicheren Herkunftsstaat“ zu sprechen. Und Gesundheitsminister Jens Spahn begründete diese Einschätzung vor einigen Monaten lapidar damit, Europäer machten schließlich dort Urlaub.[1] Es passt ins Bild, dass ein so attraktives Reiseziel wie Marokko sich nun wiederholt für die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft bewirbt, diesmal für 2026.

Doch dieses Bild zeigt allenfalls die halbe Wahrheit: Im vergangenen Jahr kam es in Marokko zu den größten sozialen Protesten seit dem sogenannten Arabischen Frühling. Und die Welle der Proteste ebbt auch 2018 nicht ab, trotz massiver Repression, die sich in der Verhaftung hunderter Demonstranten und der Einschüchterung kritischer Journalisten und Juristen zeigt. Die Brennpunkte der Proteste liegen in der vernachlässigten ländlichen Peripherie, insbesondere der nördlich gelegenen Rif-Region. Doch inzwischen erfährt die Bewegung auch Unterstützung aus den urbanen Zentren, und sogar in der marokkanischen Diaspora in Europa formiert sich eine transnationale Solidaritätsbewegung.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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