Ausgabe März 2020

Mehr radikale Demokratie wagen – jenseits der Parteizwänge!

Bunt gemischte Sitzung im Parlament

Bild: Blätter Verlag

In der Februar-Ausgabe beschrieb »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke die Auflösung der klassischen Koalition als ein Krisensymptom unserer Demokratie. Der Politikwissenschaftler und Publizist Egbert Scheunemann plädiert dagegen dafür, diese Entwicklung als Chance zu begreifen.

Welche demokratiefeindlichen Auswirkungen Koalitions-, Parteien- und Fraktionszwänge haben können, hat sich jüngst bei der Wahl des neuen Ministerpräsidenten im Thüringer Landtag gezeigt: Um die bürgerlichen Parteien und die Parteiendemokratie insgesamt vorzuführen und ihre eigene Macht zu demonstrieren, stimmte die AfD-Fraktion geschlossen für den FDP-Kandidaten, dessen Partei bei der Landtagswahl im vergangenen Oktober gerade mal fünf Prozent der Stimmen erzielt hatte. Ihr eigener Kandidat bekam hingegen keine einzige Stimme. Der Rest der Geschichte ist bekannt – ein Fiasko sondergleichen für die parlamentarische Demokratie und auch für die in ihrem Lagerdenken, ihren Koalitions- und Fraktionszwängen be- und gefangenen Parteien.

Denn formaldemokratisch wurde der FDP-Kandidat ja durchaus korrekt zum Ministerpräsidenten Thüringens gewählt. Formaldemokratisch kam aber 1933 auch das Ermächtigungsgesetz zustande.

März 2020

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Vom Einsturz zum Aufbruch: Die Protestbewegung in Serbien

von Krsto Lazarević

Rund 110 000 Menschen füllen am 1. November die Fläche vor dem Hauptbahnhof in Novi Sad, um der Opfer zu gedenken, die ein Jahr zuvor unter dem einstürzenden Vordach starben. Für die seit Monaten Protestierenden steht der Einsturz nicht für ein bauliches, sondern für ein politisches und gesellschaftliches Versagen: ein sichtbares Symbol für Korruption und ein zunehmend autokratisches System.

Keine Tugend ohne Tatkraft

von Philipp Lepenies

2026 jährt sich die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten zum 250. Mal. Sie ist neben der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 das wohl wichtigste Dokument der politischen Moderne. Mit der Herrschaft von Donald Trump stellt sich die Frage, ob die Demokratie in den USA noch gesichert ist.