Ausgabe September 2022

Der Kampf um die Schwellenländer: Afrika und der Ukraine-Krieg

Der senegalesische Präsident und Vorsitzende der Afrikanischen Union Macky Sall mit Wladimir Putin bei einem Treffen in dessen Sommerresidenz im russischen Schwarzmeerort Sotschi, 3.6.2022 (IMAGO/ITAR-TASS)

Bild: Der senegalesische Präsident und Vorsitzende der Afrikanischen Union Macky Sall mit Wladimir Putin bei einem Treffen in dessen Sommerresidenz im russischen Schwarzmeerort Sotschi, 3.6.2022 (IMAGO/ITAR-TASS)

Als die Vollversammlung der Vereinten Nationen Anfang März über eine Resolution abstimmte, in der der russische Einmarsch in die Ukraine scharf verurteilt wird, enthielten sich 35 Länder – unter ihnen auch Südafrika und eine Reihe weiterer afrikanischer Staaten. Dies als Unterstützung für Russland oder gar als gemeinsame afrikanische Position zu werten, wird den innenpolitischen Motiven dieser Staaten jedoch nicht gerecht. Vielmehr verdeutlicht die fehlende Unterstützung der europäischen Position, dass die EU längst nicht mehr der zentrale Bezugspunkt für afrikanische Länder ist. Dies lässt sich nicht nur mit dem aktiven Werben Chinas und Russlands um Kooperationen mit afrikanischen Ländern erklären, sondern auch mit Versäumnissen der EU und dem damit verbundenen fehlenden Vertrauen in die Tragfähigkeit der europäisch-afrikanischen Beziehungen.

Angesichts dessen ergibt es wenig Sinn, wenn Deutschland und die EU afrikanische Staaten mit Blick auf ihre außenpolitische Positionierung unter Druck setzen. Vielmehr sollten sie die Differenzen anerkennen und durch eine strategische Außenpolitik daran arbeiten, das Vertrauen sowie die Zusammenarbeit zu stärken.

In der Regel bemühen sich die afrikanischen Staaten, in der UN-Vollversammlung mit einer Stimme zu sprechen. Zwar stimmten 28 afrikanische Staaten für die Unterstützung der Resolution „Russland gegen die Ukraine“ und mit Eritrea nur ein Staat dagegen.

September 2022

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema