Dokumente zum Zeitgeschehen

»2022 ging das Vertrauen in die Medien in Deutschland leicht zurück, es ist aber höher als vor der Corona-Pandemie«

Langzeitstudie des Instituts für Publizistik der Universität Mainz und des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Düsseldorf, 2.5.2023

Das Gesamtvertrauen der Deutschen in die Medien hatte während der Pandemie Spitzenwerte erreicht und ist nun wieder etwas abgesunken […]. In der aktuellen Umfrage stimmten 49 Prozent der Aussage zu: „Wenn es um wirklich wichtige Dinge geht – etwa Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren, politische Skandale und Krisen – kann man den Medien vertrauen.“ Am Ende des Corona- Jahres 2020 hatte die Zustimmung noch bei 56 Prozent gelegen. In den Jahren vor der Pandemie schwankte der Wert zwischen 41 und 44 Prozent.

Während der Corona-Krise ging ein gestiegener Informations- und Orientierungsbedarf mit größerem Vertrauen einher. [...] Mit dem Abklingen der Pandemie liegt das allgemeine Medienvertrauen nun oberhalb des Vor-Krisen-Niveaus. Der Ukraine-Krieg hatte mit Blick auf die Medien und ihre Berichterstattung (bisher) nicht denselben vertrauenssteigernden Effekt.

Die Annahme, dass der am Ende des Jahres 2020 gemessene deutliche Vertrauenszuwachs nur vorübergehend sein könnte, hat sich demnach als zutreffend erwiesen. Allerdings verzeichnet die Mainzer Langzeitstudie im Jahr 2022 nur einen leichten Rückgang und keineswegs einen Absturz im Vertrauen. Auch früher beschriebene Polarisierungstendenzen [...] im Sinne eines Wegschmelzens der moderat vertrauenden „Mitte“ setzen sich im Jahr 2022 nicht fort: 31 Prozent sagen, sie vertrauen den Medien „teils, teils“. In den Jahren zuvor lag dieser Wert zwischen 28 und 29 Prozent. Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt die Forschungsgruppe bei der Betrachtung weiterer Aussagen zum allgemeinen Vertrauen in die etablierten Medien [...]: Nur 17 Prozent (2020: 16 Prozent) sagten, man könne den Medien im Allgemeinen „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ vertrauen, 39 Prozent gaben die ambivalente Antwort „teils, teils“ (2020: 38 %). Vor der Pandemie hatten zwischen 19 und 27 Prozent gesagt, man könne den Medien „eher/überhaupt nicht“ vertrauen. Die neuen Daten bestätigen damit den bisherigen Befund der Langzeitstudie, dass das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die etablierten Medien in Deutschland trotz zum Teil deutlicher Schwankungen insgesamt nicht erodiert ist – im Gegenteil. Dennoch hält im Jahr 2022 etwa jeder fünfte oder sechste Bürger die Medien für eher nicht oder überhaupt nicht vertrauenswürdig. Es besteht nach wie vor ein harter Kern an Kritikern, die den Medien regelrecht feindselig und ablehnend gegenüberstehen.

Die vollständige Studie finden Sie hier.