Ausgabe April 2024

Kurzgefasst

Bernd Ladwig: Furchtbare Vereinfacher. Zum israelbezogenen Antisemitismus an deutschen Universitäten, S. 43-49

Anfang Februar wurde ein jüdischer Student der FU Berlin von einem offenbar propalästinensischen Kommilitonen zusammengeschlagen. Die Unileitung reagierte nicht angemessen, kritisiert der FU-Politikprofessor Bernd Ladwig. Er sieht im Drang nach moralischer Eindeutigkeit eine wichtige Ursache für den an den Unis verbreiteten israelbezogenen Antisemitismus.

Jürgen Trittin: Empörungskultur und Kunstfreiheit. Warum nicht jede scharfe Kritik an Israel antisemitisch ist, S. 50-54

Die einseitigen israelkritischen Aussagen auf der diesjährigen Berlinale haben im Nachhinein für große Entrüstung gesorgt. Doch diese Reaktionen sind wenig hilfreich, argumentiert der Grünen-Politiker Jürgen Trittin. Statt aufgeregter Empörung bedürfe es der sachlichen Debatte.

Simone Schlindwein: Die Aktualität des Grauens: 30 Jahre Völkermord in Ruanda, S. 55-62

Im April 1994 begann der Genozid an den Tutsi in Ruanda. Bis heute sind die Spuren der Verbrechen deutlich sichtbar. Doch bei der Aufarbeitung werde das Land von der Welt im Stich gelassen, so die Afrika-Korrespondentin Simone Schlindwein. Schlimmer noch: Den Tutsi droht erneut Gefahr.

Gerd Hankel: Justiz ohne Integrität? Von den Widersprüchen der internationalen Gerichtsbarkeit, S. 63-68

Die jüngste Völkermord-Klage Südafrikas gegen Israel zeigt schlaglichtartig, wie umstritten internationale Gerichtsbarkeit ist. Dahinter steht ein größeres Problem, wie der Völkerrechtler Gerd Hankel an weiteren Beispielen zeigt: Der Ausgang der Verfahren hängt oft von nationalen Interessen ab.

Oleg Orlow: Sie wollten den Faschismus. Und sie haben ihn bekommen, S. 69-72

Mit dem Ukrainekrieg hat sich das Putinregime auch im Inneren radikalisiert: Es sei nun offen faschistisch, so der inzwischen inhaftierte russische Menschenrechtler Oleg Orlow. Zugleich markiert der Krieg einen kritischen Moment für das Regime: Ein Sieg würde Putins Herrschaft festigen.

Oliver Eberl: Kant im Krieg. Von der Aktualität des großen Friedensphilosophen zu seinem 300. Geburtstag, S. 73-82

Die Friedensphilosophie Immanuel Kants, der im April vor 300 Jahren geboren wurde, scheint aus der Zeit gefallen. Dem widerspricht der Politikwissenschaftler Oliver Eberl. Kant halte wichtige Lehren für die Einhegung der Gewalt zwischen Staaten bereit – auch mit Blick auf den Ukrainekrieg.

Ramachandra Guha: Modis neues Indien: Von der weltgrößten Demokratie zum Hindu-Reich, S. 83-95

Narendra Modi, der bei der Parlamentswahl im Frühjahr seine Wiederwahl als Premierminister anstrebt, verspricht seinen Anhängern ein nach innen wie außen starkes Indien. Jedoch, so der indische Historiker Ramachandra Guha, untergrabe Modi die eigentliche Stärke des Landes: den Pluralismus.

Frederico Füllgraf: Lula und die Putschisten: Der hohe Preis der Versöhnung, S. 97-106

Von Luiz Inácio „Lula“ da Silvas dritter Präsidentschaft erhofften sich viele eine Stärkung der brasilianischen Demokratie. Doch die Hürden dafür sind hoch, so der langjährige Lateinamerika-Korrespondent Frederico Füllgraf. Noch immer ist der Einfluss der Rechtsextremen groß, besonders im Militär.

Rudolf Hickel: Generationengerechtigkeit statt Schuldenbremse. Für eine finanzpolitische Zeitenwende, S. 107-114

Union und FDP pochen auf die Einhaltung der Schuldenbremse. Doch für eine ökologische Transformation der deutschen Wirtschaft sind mehr öffentliche Investitionen nötig, argumentiert „Blätter“-Mitherausgeber Rudolf Hickel. Er plädiert daher für eine Rückkehr zur „Goldenen Regel“.

Tim Engartner und Michael Schedelik: Die Flucht in die Privatschulen. Wie das Versagen der Bildungspolitik zur sozialen Spaltung führt, S. 115-122

Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder angesichts verheerender Zustände an öffentlichen Schulen auf private. Jedoch böten diese keine Lösung der bildungspolitischen Misere, so die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Michael Schedelik. Privatschulen befriedigten lediglich den Wunsch nach Statussicherung und verstärkten damit die soziale Ungleichheit.

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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