Wissenschaftliche Stellungnahme, 28.9.2926
Das Jugendalter geht mit vielfachen Veränderungen einher – soziale Anforderungen und Institutionen des Alltags ändern sich, Identitäten werden erprobt, ein Verhältnis zum eigenen Körper entwickelt und Beziehungsstrukturen umgestaltet. Für queere junge Menscheni treten weitere Fragen dazu: Mit wem kann ich über mein Erleben sprechen? Wie kann ich herausfinden, wer ich bin? Wo kann ich mich zeigen, ohne Ablehnung oder Abwertung befürchten zu müssen (Brück 2023)? Die bundesweite Studie ‚Coming-out – und dann...?!‘ des Deutschen Jugendinstituts zeigt, dass gerade die Zeiten der Bewusstwerdung einer queeren sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Zugehörigkeit mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden sind (Krell/Oldemeier 2015; ebenso Stemmer et al. 2024).
Queere junge Menschen stehen gegenwärtig in einem spezifischen Spannungsfeld:
Einerseits erfahren sie wachsende Sichtbarkeit und Anerkennung. Queer zu leben wird in
Teilen der Gesellschaft akzeptiert, wird zunehmend rechtlich abgebildet und weniger
fremdbestimmt reguliert. Viele junge Menschen sehen darin eine Chance auf ein gutes
und glückliches Leben und engagieren sich dazu politisch (Brodersen u. a. 2025).
Andererseits erleben junge Menschen Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt, wenn
sie queer leben oder wahrgenommen werden. 82 % der in Studien befragten jungen
Menschen machen mindestens eine Diskriminierungserfahrung aufgrund ihres queeren
Lebens; unter trans* und/oder nicht-binären Jugendlichen sind es 96 % (Heiligers u. a.
2023; Krell und Oldemeier 2017; Stemmer u. a. 2024). Abwertungen, Ausgrenzungen,
Infragestellung sowie verbale und körperliche Übergriffe gehören zur Lebensrealität
queerer junger Menschen (Ketelhut 2026).
Akteur*innen der extremen Rechten, aber auch religiöse Fundamentalist*innen
unterschiedlicher Religionen politisieren queere Lebensweisen: Sie machen dabei vor
allem trans* Personen zur gesellschaftlichen Projektionsfläche und werfen ihnen vor, die
gesellschaftliche Ordnung zu gefährden (Grenz 2025; Horn und Ketelhut 2025; Kasten
und Monteiro 2026). Störungen und Gewalt an queeren Zentren, Symbolen und
Veranstaltungen (Düker u. a. 2025; LSVD+ - Verband Queere Vielfalt 2026; Volk 2025) und deren politische Verhandlung verdeutlichen: Queere Lebensweisen werden angegriffen und bedürfen des gesellschaftlichen Schutzes.
Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier.