Ausgabe Februar 1990

Von Ceaucescu zu Illiescu

Revolution auf Rumänisch

Möglicherweise wird die rumänische Revolution dieses Winters nicht nur wegen ihrer tragischen Begleitumstände in die Geschichte eingehen. Auch die Art und Weise, wie sie sich vor den Augen der Öffentlichkeit, vor Rundfunkmikrofonen und Fernsehkameras vollzog, ist bisher in der Geschichte einmalig. Die Führung der Opposition hatte das Rundfunkgebäude zu ihrem Hauptquartier gemacht, das Sendestudio wurde zur Bühne, auf der die Revolution gleichsam in Form eines klassischen griechischen Dramas ablief. Militärische Aktionen wurden abgesprochen und koordiniert, Aufrufe verlesen. Die Führer der Opposition traten nacheinander auf, Boten kamen gleich Läufern von Marathon an, um Nachrichten zu überbringen, Dichter wandten sich wie Volkstribunen an die Menschen. Gelegentlich wurde die Szene auch zum Tribunal umfunktioniert, es wurden verhaftete Mitglieder des Ceausescu-Clans und schließlich die Bilder von der Hinrichtung der beiden Protagonisten der Diktatur gezeigt.

Anders als in den übrigen Staaten dessen, was von dem ehedem so genannten Ostblock übriggeblieben ist, vollzieht sich der Abschied vom real existierenden Sozialismus nicht als abgestufte und abgefederte Evolution.

Februar 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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