Ausgabe Februar 1990

Dokument im Artikelteil: Saul Landau: Imperialismus á la Bush

Aus New York Times , 22. Dezember 1989

„Gott befahl mir, die Philippinen einzunehmen", erklärte Präsident William McKinley 1898 vor Zeitungsreportern, als er schilderte, wie er während einer schlaflosen Nacht im Zwiegespräch mit dem Allmächtigen zu seiner Entscheidung gelangt war. Lyndon Johnson teilte Mitte der 60er Jahre dem Fernsehpublikum mit, er habe um außenpolitische Führung gebetet, und vermutlich forderte Gott ihn auf, Truppen nach Vietnam zu schicken.

Ende der 80er Jahre bekennen sich weder Präsidenten noch Gesetzgeber dazu, bei höheren Mächten Rat gesucht zu haben. Heute setzen sie vielmehr einfach ein gottgebenes Recht voraus, immer wieder internationale Gesetze zu mißachten, wie Präsident Bush es bei der Invasion in Panama tat. Mit weltlichen Argumenten läßt sich die Invasion jedenfalls nicht rechtfertigen. (...)

Keiner der von der Regierung angeführten Gründe für eine Intervention hält einer eingehenden Überprüfung stand. Es ist vollkommen offensichtlich, daß das einzige, was ihr wirklich Sorge bereitete, ein Image-Problem war: daß der General Manuel Antonio Noriega den Vereinigten Staaten eine lange Nase machte. Das allein wurde als ausreichend für eine Intervention betrachtet. (...

Februar 1990

Sie haben etwa 39% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 61% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo