Ausgabe November 1992

Wieder in Deutschland

"In solchen Zeiten der Unsicherheit bläst mancherorts der Instinkt zum Rückzug auf das Gewohnte, das Nationalstaatliche." "Es kommt zu Spannungen, weil im allgemeinen jedes Volk sich selbst das nächste ist." Richard von Weizsäcker, Schwerin, 3. Oktober 1992 1)

I

Mord, Totschlag, Landfriedensbruch, Brandstiftung, Strafvereitelung, Billigung von Straftaten, unterlassene Hilfeleistung, die Verwendung von Kennzeichen und Parolen nazistischer Organisationen... Das Strafgesetzbuch offeriert eine Möglichkeit, die "Vorkommnisse" in Hünxe, Hoyerswerda, Eberswalde, Lichtenhagen, Sachsenhausen und und und zu bewerten und auf entsprechende Weise mit den unterschiedlichen Beteiligten zu verfahren - von der Steine und Brandsätze werfenden Avantgarde über die sich vor Ort einfindende und applaudierende Erlebnisgesellschaft bis hin zu Untätigkeit verantwortenden polizeilichen Einsatzleitern.

Entgegen anderslautender Erklärungen findet eine strafrechtliche Würdigung der inzwischen alltäglich gewordenen Ausländerhatz allenfalls begrenzt statt.

November 1992

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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