Ausgabe Februar 1993

Wer ist das Volk? Die deutschen Integrationsformeln greifen zu kurz.

Ein Gespräch mit Karl D. Bredthauer

Karl D. Bredthauer: „Deutschland neu begründen?" — so hieß die Frage, mit der ich Sie zu diesem „Blätter"-Gespräch eingeladen habe. „Begründen" ist hier im doppelten Sinn des Wortes gemeint: im Sinne des Konstituierens, zum anderen aber als Frage nach Gründen, Begründung: Wieso eigentlich mit solch scheinbarer Selbstverständlichkeit dieser neue deutsche Nationalstaat? Nachdem es fast ein halbes Jahrhundert lang zwei unterschiedliche Staaten und, vor allem auch, Gesellschaften gegeben hat? Wenn nämlich die bisherige „Einheitsformel" -Wir sind ein Land und wollen einheitliche Lebensverhältnisse haben und darin besteht der Sinn der Veranstaltung — trügerisch ist oder zu kurz greift: muß man den ganzen, überstürzten Vorgang nicht noch einmal neu durchdenken? Vielleicht überhaupt zum erstenmal Gründe und Folgen wirklich reflektieren? Meinen Sie, es hat Sinn, die Frage so grundsätzlich - als Frage der Konstituierung und Frage des Sinns - neu zu stellen? Zwar haben wir jetzt dieses neue Deutschland, aber wie sich herausstellt, sind viele Fragen ganz und gar nicht beantwortet oder auch noch gar nicht richtig gestellt, die sich 1989/90 von selbst zu beantworten schienen.

Februar 1993

Sie haben etwa 35% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 65% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo