Ausgabe Februar 1993

Wer ist das Volk? Die deutschen Integrationsformeln greifen zu kurz.

Ein Gespräch mit Karl D. Bredthauer

Karl D. Bredthauer: „Deutschland neu begründen?" — so hieß die Frage, mit der ich Sie zu diesem „Blätter"-Gespräch eingeladen habe. „Begründen" ist hier im doppelten Sinn des Wortes gemeint: im Sinne des Konstituierens, zum anderen aber als Frage nach Gründen, Begründung: Wieso eigentlich mit solch scheinbarer Selbstverständlichkeit dieser neue deutsche Nationalstaat? Nachdem es fast ein halbes Jahrhundert lang zwei unterschiedliche Staaten und, vor allem auch, Gesellschaften gegeben hat? Wenn nämlich die bisherige „Einheitsformel" -Wir sind ein Land und wollen einheitliche Lebensverhältnisse haben und darin besteht der Sinn der Veranstaltung — trügerisch ist oder zu kurz greift: muß man den ganzen, überstürzten Vorgang nicht noch einmal neu durchdenken? Vielleicht überhaupt zum erstenmal Gründe und Folgen wirklich reflektieren? Meinen Sie, es hat Sinn, die Frage so grundsätzlich - als Frage der Konstituierung und Frage des Sinns - neu zu stellen? Zwar haben wir jetzt dieses neue Deutschland, aber wie sich herausstellt, sind viele Fragen ganz und gar nicht beantwortet oder auch noch gar nicht richtig gestellt, die sich 1989/90 von selbst zu beantworten schienen.

Februar 1993

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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