Ausgabe Mai 1994

Mexiko zwischen Hoffnung und Angst

Der Chiapas-Aufstand und die Folgen

Die Entfernung zwischen den beiden Schauplätzen, die die Aufmerksamkeit der mexikanischen Öffentlichkeit in den ersten drei Monaten 1994 voll und ganz auf sich gezogen haben, beträgt 4000 km, etwa so viel wie zwischen Helsinki und Neapel. Diese Strecke liegt zwischen San Crist¢bal de las Casas in äußersten Süden Mexikos, nahe der Staatsgrenze zu Guatemala, und Tijuana, der nördlichen Grenzstadt zu den USA. Die Tragweite der beiden Ereignisse für die politische Entwicklung des Riesenlandes südlich des Rio Grande zu ermessen, fällt sehr viel schwerer, zumal zum jetzigen Zeitpunkt (10. April 1994) noch viele Unbekannte im Spiel sind. Im ersten Fall war es der Aufstand des zapatistischen Befreiungsheeres EZLN vom 1. Januar 1994, der den mexikanischen Staat in seinen Grundfesten erschütterte, im zweiten Fall die tödlichen Schüsse vom 23. März 1994 auf den Präsidentschaftskandidaten der Regierungspartei PRI (Partido Revolucionario Institucional), Louis Donaldo Colosio.

Zwischen San Cristobal und Tijuana

Weder ist die Identität der aufständischen Indianer und ihrer Anführer in Chiapas bekannt, noch gibt es verläßliche Informationen über die Hintermänner des Mordanschlags auf den 44jährigen PRIPolitiker.

Mai 1994

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