Das „Politbarometer" der Forschungsgruppe Wahlen veröffentlicht seit 1986 nicht mehr die tatsächlich ermittelten Antworten auf seine Sonntagstrage „Wen würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären", sondern manipuliert die Befragungsergebnisse durch eine „Gewichtung". Wie der Wuppertaler Mathematikprofessor Fritz Ulmer berichtet, ging diesem Verfahrenswechsel eine Intervention der CDU voraus. Die Forschungsgruppe Wahlen hinterlegt allerdings die Rohdaten beim Sozialarchiv der Universität Köln. Das Verdienst Professor Ulmers ist, Rohdaten und ZDF-Darstellung miteinander in Bezug gesetzt zu haben und einmalige Einblicke zu ermöglichen. Nur alle vier Jahre, passend zu den Wahlen, nähern sich Befragungsergebnis und Politbarometermeldung einander an. In der Zwischenzeit meldet die Forschungsgruppe Wahlen, was sie für richtig hält. Bei näherer Betrachtung der Koalitionsergebnisse zeigt sich: In 95 Monatsbefragungen erhielten CDU/CSU/FDP nur achtzehnmal 50 oder mehr Prozent der „Wählerstimmen", aber in der Berichterstattung des ZDF-Politbarometers wurde die Koalition 43mal mit absoluter Mehrheit gemeldet. Die „Wähler" drückten die Koalition in immerhin 21 Monatsbefragungen unter 40 Prozent. Das ZDF wollte derartige Meldungen niemandem zumuten: Kein einziges Mal berichtete es von einem solchen Ergebnis.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.