Ausgabe Juni 1996

Deutsche Interessen à la Kinkel

Drin ist nach wie vor dasselbe. Nur drauf steht inzwischen etwas anderes. Aus dem Kritischen Dialog mit Iran ist eine Politik der aktiven Einwirkung geworden. Und unter dem neuen Titel setzt sich der alte Trend fort. Das ganze droht zu einer unendlichen Geschichte zu werden.

Ayatollahinspirierte und -finanzierte Terroranschläge gegen Israelis und gegen den nahöstlichen Friedensprozeß hatten die EU-Politik der Kungelei mit Teheran zwischenzeitlich in die Kritik gebracht. Konsequenz: Die EU nahm eine Auszeit und schickte eine Troika- Delegation in den Iran. Eine vorzeigbare Absage der dort Herrschenden an den Terrorismus gab es nicht, dafür aber eine Art Freibrief des Delegationsleiters. Der erklärte Radio Teheran, es sei unmöglich, das Land als regionalen politischen Faktor zu ignorieren. Das Ergebnis des Luxemburger Treffens der EU-Außenminister Ende April stand damit vorab fest: weiter geht’s im Kritischen Dialog, wenn auch von jetzt an besonders kritisch.

Mag sein, daß man in den Außenministerien der bedeutsamsten EU-Länder auf den Effekt der Gewöhnung gesetzt hat, frei nach dem Motto: sollen die Amerikaner ihre Politik machen, wir machen unsere. Zwei Punkte stehen dem allerdings entgegen. Da ist einmal der den US-Kongreß beschäftigende Iran Oil Sanctions Act und – ein Auftritt des deutschen Außenamtsvorstehers in Washington.

Juni 1996

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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