Ausgabe Dezember 1996

Krisenregion Ostafrika

Die burundische Dimension des Hutu-Tutsi-Konfliktes

Die zunehmende Regionalisierung des Konfliktes zwischen Hutu und Tutsi im Gebiet der Großen Seen Afrikas wird immer offensichtlicher, seit die kriegerischen Auseinandersetzungen Ende Oktober auf den Ostrand Zaires übergegriffen haben. Was bis dahin als rein inneres Problem der beiden Staaten Ruanda und Burundi erschien, wo allein seit 1993 Hunderttausende von Todesopfern zu beklagen waren, zeigt nun seine weiteren regionalen Konturen. Und die Regionalisierung weist eine zusätzliche, über den afrikanischen Kontinent hinausreichende geopolitische Dimension auf. Uganda hatte bereits beim Bürgerkrieg in Ruanda sichtbar eine Rolle gespielt, und das westliche Tanzania könnte als Aufenthaltsort mehrerer hunderttausend aus Ruanda und Burundi geflohener Hutu bald ein weiterer Schauplatz des Konfliktes werden, zumal nun die Rebellenbewegungen ihre Hauptquartiere im östlichen Grenzgebiet Zaires verloren haben. Gegenwärtig bedrohen die Kämpfe in Nord- und Südkivu die hier immer prekäre Zentralmacht Kinshasas, und das zu einer Zeit, in der der jahrzehntelange Herrscher des flächengrößten Landes Afrikas seit Monaten krank und landesabwesend ist, während sich im "weichen Bauch" Afrikas Endzeitstimmung verbreitet.

Dezember 1996

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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