Ausgabe Juni 1997

Continent Isoleted

Das politische Kräfteverhältnis innerhalb Europas und auch in Bezug auf die transatlantischen Beziehungen veränderte sich an dem Donnerstag, als die britischen Wahlergebnisse Großbritanniens Randstellung innerhalb der Europäischen Union bekräftigten.

Dies wurde deutlich, obwohl die angeblich pro-europäische Labour Partei die Wahl gewonnen hatte. Die Wahlkampagne hatte nämlich dazu geführt, daß die großen Parteien sich beide noch weiter von Europa entfernten als zuvor, was beweist, daß die Briten zweifellos Insulaner sind und bleiben. Warum sollten sie auch nicht? Ihre Geschichte und ihre geographische Lage gaben ihnen gute Gründe für diesen Status. Wie General DeGaulle es ausdrückte, als er gegen Großbritanniens erste Bewerbung um die Teilnahme am Gemeinsamen Markt sein Veto einlegte:„...was für ein Zeitalter, wenn man nicht, ohne einen Tumult hervorzurufen, sagen kann, daß Großbritannien eine Insel ist...!“ Eine Labour Regierung wird mit Brüssel verbindlicher umgehen als die Konservativen, aber sie wird sich weder an einer gemeinsamen Währung beteiligen, noch wird sie – ohne ein allgemeines Referendum – andere bedeutende Zugeständnisse an die Europäische Union machen, die Großbritanniens Souveränität beschneiden.

Juni 1997

Sie haben etwa 66% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 34% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo