Ausgabe Dezember 1998

Kosovo: Not kennt kein Gebot?

Das erste Opfer

Zum ersten Opfer der NATO-Intervention im Kosovo-Konflikt sind die freien Medien in Serbien und somit die Demokratie geworden. Im Schatten des Abkommens mit dem US-Emissär Richard Holbrooke hat Serbiens Alleinherrscher Slobodan Miloševic im Oktober ein groteskes Informationsgesetz beschließen lassen, auf Grund dessen die Tageszeitungen Naša Borba, Danas, Dnevni Telegraf sowie das Nachrichtenmagazin Evropljanin verboten wurden. Ihnen wurde „unpatriotische“ und „defätistische“ Berichterstattung vorgeworfen, „Vergehen“, die vom neuen Gesetz mit Strafe bedroht werden. Welche öffentlich vorgetragenen Gedanken in diese Kategorie fallen, entscheidet ein Verwaltungsgericht. Unter quasi-legalen Vorwänden hat man auch einige Hörfunksender zum Schweigen gebracht. Etwa 400 Journalisten sind deswegen arbeits- und weitgehend mittelos geworden. In die Redaktion der wenigen noch übrig gebliebenen unabhängigen politischen Medien ist die nackte Angst eingekehrt. Die neuen Vorschriften erlauben die Beschlagnahme von persönlichem Eigentum verantwortlicher Redakteure im Falle einer Bestrafung für „presserechtliche“ Vergehen. Vorgesehen sind Strafen, die das monatliche Durchschnittseinkommen im Lande um das Siebenhundertfache übersteigen.

Dezember 1998

Sie haben etwa 41% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 59% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo