1.-2.6. - B a l k a n. Auf dem Petersberg bei Bonn setzen der amerikanische Vizeaußenminister Talbott, der russische Jugoslawien-Beauftragte Tschernomyrdin und der finnische Präsident Ahtisaari ihre Vermittlungsbemühungen zur Beilegung der Kosovo-Krise in vielstündigen Gesprächen fort (vgl. "Blätter", 7/1999, S. 772). Ahtisaari, der mit einem Mandat der Europäischen Union verhandelt, und Tschernomyrdin treten am 2.6. getrennt ihre mehrfach verschobene Reise nach Belgrad an, um dem jugoslawischen Präsidenten Milosevic einen modifizierten Friedensplan vorzulegen und zu erläutern. Die Führung Jugoslawiens und das Parlament Serbiens stimmen am 3.6. einer internationalen Präsenz im Kosovo zu bei gleichzeitigem Abzug des serbischen Militärs. Die Friedenstruppe soll aus Kontingenten der NATO und Rußlands bestehen, ein einheitliches Kommando haben und mit einem Mandat der Vereinten Nationen ausgestattet sein. Ahtisaari trifft am 3.6. in Köln erneut mit Talbott zusammen und unterrichtet den dort tagenden Europäischen Rat der Regierungschefs der Europäischen Union.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.