Die Auseinandersetzung um den Ausstieg aus der Kernenergie spitzt sich zu. Mitte September zog die deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges in einem nachstehend dokumentierten Brief an alle grünen Kreis-und Landesverbände Bilanz nach zehn Monaten rot-grüner Atompolitik und forderte die grüne Basis auf, Parteiführung und Bundestagsfraktion unter Druck zu setzen. Fast zur gleichen Zeit trafen sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Energie von Bündnis 90/Die Grünen und der sogenannten Energiepolitische Ratschlag der Grünen und beschlossen ein Positionspapier, das sich an die gleichen Adressaten richtete. Ende September bekräftigte die Bundesregierung zwar die in der Koalitionsvereinbarung festgehaltene Absicht, den Ausstieg notfalls per Gesetz zu regeln, falls nicht bis Jahresende mit Industrie und Betreibern ein Konsens zustande komme (vgl. „Blätter“, 12/1998, S. 1531). Als Grundlage gilt nun aber ein von Umweltminister Trittin entwickeltes „flexibles Ausstiegsmodell“ mit einer „Basislaufzeit“ von 25 Jahren, die für einzelne Reaktoren variiert werden könne. Die führenden Umweltverbände bezeichneten das Modell am 29. September als inakzeptabel.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.