1.10. - R u ß l a n d. Verteidigungsminister Sergejew bestätigt den Vorstoß russischer Einheiten auf tschetschenisches Gebiet. Ziel sei die Schaffung einer Sicherheitszone (vgl. "Blätter", 11/1999, S. 1285). Beobachter aus dem Kampfgebiet sprechen von verstärkten russischen Luftangriffen auf mutmaßliche "Rebellenstützpunkte" in der Kaukasusrepublik, der Strom tschetschenischer Flüchtlinge in das benachbarte Inguschetien nehme dramatisch zu. Generalstabschef Kwaschnin bezeichnet später den Aufbau einer russischen Verwaltung in der Region als ein weiteres Ziel der Militäroperation. - Am 10.10. fordert der tschetschenische Präsident Maschadow die russische Seite auf, alle Kampfhandlungen einzustellen und sich aus den bereits eroberten Teilen Tschetscheniens zurückzuziehen. Die Stationierung einer Friedenstruppe im Kaukasus solle künftig die Grenzüberschreitungen illegaler Banden verhindern, die zum Einmarsch der russischen Streitkräfte geführt hatten. Der russische Ministerpräsident Putin weist am 11.10. die Forderungen und Vorschläge aus Grosny zurück. Verhandlungen könnten erst beginnen, wenn Tschetschenien die Verantwortlichen für den Angriff auf Dagestan und den Bombenterror in russischen Städten ausliefere.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.