1.10. - R u ß l a n d. Verteidigungsminister Sergejew bestätigt den Vorstoß russischer Einheiten auf tschetschenisches Gebiet. Ziel sei die Schaffung einer Sicherheitszone (vgl. "Blätter", 11/1999, S. 1285). Beobachter aus dem Kampfgebiet sprechen von verstärkten russischen Luftangriffen auf mutmaßliche "Rebellenstützpunkte" in der Kaukasusrepublik, der Strom tschetschenischer Flüchtlinge in das benachbarte Inguschetien nehme dramatisch zu. Generalstabschef Kwaschnin bezeichnet später den Aufbau einer russischen Verwaltung in der Region als ein weiteres Ziel der Militäroperation. - Am 10.10. fordert der tschetschenische Präsident Maschadow die russische Seite auf, alle Kampfhandlungen einzustellen und sich aus den bereits eroberten Teilen Tschetscheniens zurückzuziehen. Die Stationierung einer Friedenstruppe im Kaukasus solle künftig die Grenzüberschreitungen illegaler Banden verhindern, die zum Einmarsch der russischen Streitkräfte geführt hatten. Der russische Ministerpräsident Putin weist am 11.10. die Forderungen und Vorschläge aus Grosny zurück. Verhandlungen könnten erst beginnen, wenn Tschetschenien die Verantwortlichen für den Angriff auf Dagestan und den Bombenterror in russischen Städten ausliefere.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.