Die Grenze zwischen Demokratie und Barbarei ist zuweilen fließend. Jahrzehntelang galt die Elfenbeinküste, mächtigstes Land des frankophonen Westafrika, als Hort des Friedens und der Stabilität. Aber als Ende Oktober das Volk zum ersten Mal seinen Willen gegen eine renitente Miiltärregierung durchsetzte, erinnerten die begleitenden Gewalttaten sogleich an den ruandischen Genozid. Es waren regelrechte Pogrome, die am 26. und 27. Oktober in der Elfenbeinküste von Anhängern des frischgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo zusammen mit Polizei und Teilen des Militärs gegen Muslime und Angehörige der nordivoirischen Dioula-Ethnie verübt wurden. Die Berichte der Überlebenden gleichen Horrorgeschichten: Der Gastwirt kann nicht vergessen, wie die Polizei sein Restaurant anzündete; der junge Mann sagt aus, daß er nach seiner Festnahme in Stacheldraht eingewickelt wurde und man ihm befahl, sich innerhalb von drei Minuten selbst zu befreien, sonst werde er erschossen.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.