Ausgabe Mai 2001

Deutschland und die albanische Frage

"Die albanische Frage ist offen" - dieses sibyllinische Diktum des deutschen Außenministers, verkündet am 22. März in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), war dem Blatt zu Recht einen dicken Aufmacher wert. Bekannte sich Fischer hier doch deutlich genug zu Veränderungen des Status quo in der zentralbalkanischen Region. Jedenfalls darf sich der Minister nicht wundern, wenn die albanischen Extremisten, nach Aufnahme des bewaffneten Kampfes auch in der bislang in trügerischem Frieden lebenden "Ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien", ein deutsches Versprechen aus dieser Äußerung heraushören. Hat sich doch die deutsche Außenpolitik seit der albanischen Staatsgründung im Jahr 1912 mehr als einmal für eine Grenzziehung im Sinne des großalbanischen Nationalismus eingesetzt.

Geschichte einer zweifelhaften Gönnerschaft

Nach dem ersten Balkankrieg von 1912 war Berlin gemeinsam mit der Donaumonarchie für ein Albanien eingetreten, das vom Amselfeld bis zum griechischen Parga reichen und auch Nordwest-Mazedonien von Ochrid bis Tetovo umfassen sollte. Doch Deutschland und Österreich-Ungarn konnten sich damals nicht durchsetzen, die Grenzen Albaniens wurden gemäß den Vorstellungen der anderen Großmächte gezogen.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.

»10-Millionen-Schweiz«: Mauern gegen die Polykrise

von Cédric Wermuth

Am 14. Juni stimmt die Schweiz per Referendum über eine Initiative ab, die europaweit Schule machen könnte. Unter dem Titel »Keine 10-Millionen-Schweiz« verlangt die rechtsnationalistische Schweizerische Volkspartei die Einführung eines Bevölkerungsdeckels in der Verfassung.