Ausgabe Juni 2001

Der Neubeginn deutscher Friedensforschung

Im Koalitionsabkommen der rot-grünen Bundesregierung vom 20. Oktober 1998 heißt es: "Die neue Bundesregierung setzt sich für den Aufbau einer Infrastruktur zur Krisenprävention und zivilen Konfliktbearbeitung ein. Hierzu gehört neben der finanziellen Förderung der Friedens- und Konfliktforschung und der Vernetzung bestehender Initiativen die Verbesserung der [...] Voraussetzungen für die Ausbildung und den Einsatz von Friedensfachkräften und -diensten." Diese Formulierung verdient eine genauere Betrachtung. Die Regierung sagt nicht einfach: "Die Friedens- und Konfliktforschung wird erneut gefördert." In den Vordergrund stellt sie vielmehr den "Aufbau einer Infrastruktur zur Krisenprävention und zivilen Konfliktbearbeitung" und zu dieser rechnet sie die Friedens- und Konfliktforschung, "neben" anderem.

Dies besagt zweierlei: Inhaltlich soll die neu geförderte Forschungsrichtung in pragmatischer Weise der Krisenprävention und der Bearbeitung von Konflikten mit nichtmilitärischen Mitteln dienen, was sie in der Wahl ihrer Themen einschränkt. Zweitens ist diese neue Friedens- und Konfliktforschung eingebettet in Kooperationsbeziehungen spezifischer Art. Sie soll nicht ohne Adressaten ihrer Arbeitsergebnisse tätig werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) präzisiert in einem Schreiben vom 19.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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