Ausgabe August 2002

Weder Berlin noch Breslau

Ein deutsch-polnischer Zwischenruf zur Diskussion um das Zentrum gegen Vertreibungen (Wortlaut)

Auf dem Tag der deutschen Heimatvertriebenen 1999 wurde das "Zentrum gegen Vertreibungen" erstmals öffentlich erwähnt, inzwischen findet es parteiübergreifende Unterstützung und gilt als eine europäische Aufgabe. Strittig ist der Standort: Berlin oder Wroclaw (Breslau). Die nachstehende Analyse von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Polen und Deutschland zeigt die Schwächen einer solchen Standortdebatte auf. Vgl. zu diesem Thema die Beiträge von Samuel Salzborn und Richard Heimann im Juli-Heft der "Blätter". - D. Red.

In den letzten Wochen wurden wir Zeugen eines überraschenden Wandels in der Diskussion um die Errichtung eines "Zentrums gegen Vertreibungen". Entstanden als erkennbarer Versuch des Bundes der Vertrieben (BdV), sich in der Berliner Republik eine neue Daseinsberechtigung zu schaffen, und - abgesehen von Einzelpersonen - lediglich von der konservativen Opposition mit Blick auf die kommenden Wahlen unterstützt, schien dem Vorschlag der BdV-Präsidentin Erika Steinbach zur Errichtung eines "Zentrums gegen Vertreibungen" lange Zeit keine Aussicht auf Erfolg beschieden zu sein.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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