Ausgabe April 2003

Marokkos Modernisierung

Kurz nach seiner Thronbesteigung 1999 verkündete Marokkos König Mohammed VI. ein „neues Konzept von Autorität“, indemerdenSchutz individueller und kollektiver Freiheiten sowie die Sicherung des sozialen Friedens versprach. In der Folge fand eine bemerkenswerte politische Öffnung statt, etwa in der Frage des Ausgleichs zwischen Monarchie und ehemaligen politischen Häftlingen. Mohammed VI. sorgte dafür, dass Menschenrechtsverletzungen aus der Regierungszeit seines Vaters zugegeben werden, eine öffentliche Diskussion darüber stattfinden kann und finanzielle Entschädigungen an die Opfer und ihre Familien gezahlt werden. Die Angst vor der Willkür eines übermächtigen, autoritären Staates ist verschwunden. Im Vergleich etwa zum Nachbarland Algerien kommt es zu einer Annäherung zwischen Machtapparat und Oppositionellen.

Dennoch schritt der innenpolitische Wandel nur langsam voran. Die Verantwortlichen für die Folterungen etwa müssen sich bis heute nicht vor Gericht verantworten; friedliche Protestmärsche der islamistischen Bewegung „Gerechtigkeit und Wohlfahrt“ werden schonungslos niedergeknüppelt.

Was bedeutet angesichts dessen das „neue Autoritätskonzept“ Mohammeds VI.? Am besten lassen sich die Veränderungen in Marokko mit dem Begriff „figurative Politik”1 von Hans-Georg Soeffner und Dirk Tänzler erklären.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.