Ausgabe Oktober 2003

Hamburg plastiniert

Was sich in der großen weiten Welt so alles herumspricht. Am Tor zu ebenderselben, in Hamburg, gastierte kürzlich auf Kampnagel das Körper-Theater Payung Hitam aus dem javanischen Bandung. Es gab eine indonesische Adaption von Peter Handkes "Kaspar" – Kaspar Hauser, der sich mühsam artikulierend in die menschliche Sprache vortastet. "Seit ich sprechen kann, kann ich alles in Ordnung bringen", sagt er bei Handke. Und so stößt er in der javanischen Bearbeitung seine ersten Laute hinaus: "Überall Krieg, Krieg, Krieg. Korruption in Hamburg."

In Hamburg ist es also besser als überall. Und das verdankt die Hansestadt seit zwei Jahren dem Beust/Schill- Senat, dessen Rest nach dem Ende der ersten Etappe im August bis zur nächsten Wahl plastiniert ist.

Ole von Beust verdankte es Ronald Schills Erbarmen, dass er mit seiner christlichen Verliererpartei endlich einmal regieren durfte. Er hatte mit 26% das schlechteste CDU-Ergebnis aller Zeiten eingefahren. Nur weil der "Richter Gnadenlos" mit einem Rechtsaußen- Wahlkampf 19% der Hamburger Wähler überzeugte, und schließlich noch der Konteradmiral a. D. Rudolf Lange seine FDP wieder über die Fünf- Prozent-Hürde hievte, konnte Beust mit dieser christlich-liberal-schillistischen Koalition die Sozialdemokraten aus ihrem Stammsitz im Hamburger Rathaus vertreiben.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.