Ausgabe Dezember 2003

Dialog auf Serbo-Albanisch

War das Wiener "Schmäh" oder ernst gemeint? Gastgeber Wolfgang Schüssel, Österreichs Bundeskanzler, begrüßte am 14. Oktober in der Wiener Hofburg "Freunde aus Belgrad und Priština" zum ersten serbisch-kosovarischen Dialog. Freunde? Keine Begegnung, kein Gespräch, kein Händedruck, nicht einmal ein Blick wurden zwischen den Teilnehmern gewechselt. Zur Rechten und Linken des neuen UNMIK-Chefs Hari Holkeri saßen zwei Serben (Premier Zoran Živković und Kosovo-Beauftragter Nebojša Čović) und zwei Albaner (Präsident Ibrahim Rugova und Parlamentspräsident Nexhat Daçi). Und Dialog? Wenn man διάλογος im klassischen Wortsinn von "Gespräch" nimmt, dann traf es zu: Beide Seiten mühten sich, der zahlreich präsenten internationalen Gemeinschaft (Robertson, Solana, Patton u.a.) ihre unvereinbaren Standpunkte zu vermitteln: Priština will die Unabhängigkeit des Kosovo um jeden Preis – Belgrad will sie um keinen Preis.

Getreu der UN-Linie "Standards vor Status" sollte nur über "praktische Fragen" des Kosovo geredet werden, woran sich nur die Belgrader hielten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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