Ausgabe Februar 2004

Wieder eine Oase weniger

"Und jetzt eine zauberhafte Pause mit Belfrutta" – mit solchen Sprüchen werden in privaten Sendern Filme an den spannendsten Stellen unterbrochen. Zwei Dezibel lauter dröhnt plötzlich der Ton, kindische Fröhlichkeit überschwemmt das Bild, die Werbung etabliert ihre Idiotenwelt für zehn Minuten und länger. Dass nicht mehr Zuschauer wegen dieser Zumutungen vor dem Bildschirm Amok laufen, hängt damit zusammen, dass wir inzwischen dazu erzogen worden sind, diese Ungeheuerlichkeiten als normal zu empfinden, vielleicht sogar nützlich für den fälligen Klogang. Unsere Sensibilität für Schwachsinn ist geschwächt, vor allem da, wo er nicht so offen erkennbar ist: In den schönrednerischen Formulierungen der Politiker, im verschleiernden Vokabular der Institutionen – all dem gegenüber haben wir eine gelangweilte Gleichgültigkeit entwickelt, unseren Sinn für das Richtige und Gerechte immer wieder zu unterdrücken eingeübt. Die Akzeptanz auch der dümmsten Werbung ist nur das kleine Einmaleins jener Grundqualifikationen, ohne die moderne Kommunikation unerträglich wäre.

In dieser Wüste hektischer Verlogenheit gibt es auch im Fernsehen immer noch Oasen, in denen normales Denken und Reden stattfindet. Eine davon ist geographisch erstaunlicherweise auf dem Kontinent der Privaten angesiedelt – gewesen. Die Rede ist von Harald Schmidts Late Night Show im Sender SAT 1. Nach etlichen letzten und allerletzten Sendungen ist damit seit Jahresende Schluss.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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