Ausgabe Februar 2004

Wieder eine Oase weniger

"Und jetzt eine zauberhafte Pause mit Belfrutta" – mit solchen Sprüchen werden in privaten Sendern Filme an den spannendsten Stellen unterbrochen. Zwei Dezibel lauter dröhnt plötzlich der Ton, kindische Fröhlichkeit überschwemmt das Bild, die Werbung etabliert ihre Idiotenwelt für zehn Minuten und länger. Dass nicht mehr Zuschauer wegen dieser Zumutungen vor dem Bildschirm Amok laufen, hängt damit zusammen, dass wir inzwischen dazu erzogen worden sind, diese Ungeheuerlichkeiten als normal zu empfinden, vielleicht sogar nützlich für den fälligen Klogang. Unsere Sensibilität für Schwachsinn ist geschwächt, vor allem da, wo er nicht so offen erkennbar ist: In den schönrednerischen Formulierungen der Politiker, im verschleiernden Vokabular der Institutionen – all dem gegenüber haben wir eine gelangweilte Gleichgültigkeit entwickelt, unseren Sinn für das Richtige und Gerechte immer wieder zu unterdrücken eingeübt. Die Akzeptanz auch der dümmsten Werbung ist nur das kleine Einmaleins jener Grundqualifikationen, ohne die moderne Kommunikation unerträglich wäre.

In dieser Wüste hektischer Verlogenheit gibt es auch im Fernsehen immer noch Oasen, in denen normales Denken und Reden stattfindet. Eine davon ist geographisch erstaunlicherweise auf dem Kontinent der Privaten angesiedelt – gewesen. Die Rede ist von Harald Schmidts Late Night Show im Sender SAT 1. Nach etlichen letzten und allerletzten Sendungen ist damit seit Jahresende Schluss.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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