Algerien, so will es seine Regierung, soll endlich ein anerkannter Bestandteil der Weltwirtschaftsordnung werden. Bisher wurde das Land vorwiegend als Rohstofflieferant für Rohöl und Erdgas, kaum aber als wirtschaftlicher Akteur wahrgenommen. Nunmehr versucht der nordafrikanische Staat, auch potenzielle Investoren anzulocken und sich als attraktiven Anlageort anzupreisen. In der Regel konnte er bisher nur mäßigen Erfolg verbuchen, da westliche Unternehmen und multinationale Konzerne in den vergangenen Jahren nur geringes Interesse zeigten, in Algerien zu investieren, sondern das Land eher als reinen Absatzmarkt für ihren Produktüberschuss zu nutzen versuchen. Letzteren werden sie in Algerien in der Regel bequem los, da ein Großteil der einheimischen wirtschaftlichen Akteure im Sektor der als Trabendo bezeichneten Schattenwirtschaft – die sich in den 80er Jahren im damaligen staatssozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems etablierte – tätig sind. Dieser Teil der Privatbourgeoisie lebt davon, dass er importiert. Bedeutende Teile dieser Einfuhren sind illegal, können aber deshalb ungebremst erfolgen, weil hohe Militärs oder Staatsbürokraten ihre schützende Hand über Protégés aus dem "informellen" Privatsektor halten und dabei selbst abkassieren. Bisher profitieren viele internationale Unternehmen von diesen Verhältnissen und zeigen keine sonderliche Neigung, darüber hinaus wirtschaftlich in Algerien aktiv zu werden.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.