Ausgabe Mai 2008

Ruanda: Der zweifache Völkermord

Der Völkermord, dem vor 14 Jahren in Ruanda rund eine Million Menschen zum Opfer fielen, wird in der bundesdeutschen Öffentlichkeit, so er überhaupt zur Sprache kommt, immer noch einseitig als „Völkermord an den Tutsi“ wahrgenommen. Dabei wird übersehen, dass parallel zu den Massakern an den Tutsi vermutlich ebenso viele Hutu von den aus dem benachbarten Uganda vordringenden Eroberern, einer Gruppe von Exil-Tutsi, getötet wurden.

Diese Verzerrung wurzelt nicht zuletzt in der Unkenntnis über den Kontext der Vorgänge, die das Land bereits in den Jahren zuvor erschütterten. Denn bereits am 1. Oktober 1990 hatte mit dem Einmarsch der Tutsi-Militärs aus Uganda das Morden begonnen, das sich bis heute im Nachbarstaat Kongo fortsetzt.

Kurz zuvor, im Juni 1990, hatte der französische Präsident François Mitterrand beim franko-afrikanischen Gipfeltreffen erklärt, dass künftig nur noch demokratische Staaten auf Unterstützung durch Frankreich rechnen dürften. Daraufhin kündigte Ruandas Präsident, der seit 1973 regierende Diktator Juvénal Habyarimana, im Folgemonat den Übergang des Landes zu einem Mehrparteiensystem an.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema