Ausgabe Februar 2009

Private Realitäten

25 Jahre Privatfernsehen – gibt es da tatsächlich etwas zu feiern? Sollen wir dankbar sein, dass Dieter Bohlen vermeintliche Supertalente knechtet oder Dirk Bach im Pseudo-Dschungel abgehalfterten C-Promis Känguru-Penis-Colada serviert?

Die Einführung von RTL und SAT.1 im Jahr 1984 wird auch heute noch als der Beginn eines neuen Medienzeitalters gefeiert. Doch mit dem Zappen – schließlich war fortan die Fernbedienung voll einsatzfähig – hat das Privatfernsehen rückblickend vor allem unsere Wahrnehmung der gesellschaftlichen Realität verändert.

Die Kohl-Regierung versprach sich damals viel von der „Verkabelung der Republik“. Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling kündigte vollmundig den „größten arbeitsschaffenden Impuls für die Wirtschaft“ an und zugleich hofften die Konservativen, den vermeintlichen „Rotfunk“ mancher öffentlich-rechtlicher Landesanstalten zu stören. Das erregte die Kritiker – und den politischen Gegner. Der damalige SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz prognostizierte „eine Spirale der Programmverflachung“. Ausgerechnet der medial omnipräsente „Altkanzler“ Helmut Schmidt befürchtete zudem ein „manipulierbares TV-Image der Politiker“.

Die neuen Angebote der Privaten wurden daher mit einer Mischung aus Argwohn, Abscheu und Faszination verfolgt.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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