Ausgabe April 1990

Von der Freiheit zur Wahl

Jubel ist ausgebrochen bei der Bush-Administration, ihren Verbündeten und den Regierungen in Lateinamerika. Was der jahrelange Contra-Krieg auf direktem Wege nicht zustande brachte, die Beseitigung des für die Vereinigten Staaten und die herrschenden Eliten Lateinamerikas so gefährlichen, revolutionären sandinistischen Projekts, haben die Wahlen geschafft. Welche Personen sich womöglich zukünftig in den Regierungssesseln breit machen werden, um das Rad der revolutionären Geschichte in ihrem Sinne zurückzudrehen, übersieht man geflissentlich in der weltweit entfachten Euphorie darüber, daß zum ersten Mal in der Geschichte eine revolutionäre Regierung bereit war, in „freien Wahlen" die Regierungsmacht abzugeben. Die USA zollen ihren verhaßten Feinden, den Sandinisten, Lob und Anerkennung, wie frei und demokratisch doch die Wahlen verlaufen seien. Der Tenor der Stellungnahme seitens der sowjetischen Regierung unterscheidet sich diesbezüglich nur geringfügig. Und auch Ludger Volmer von den Grünen erliegt als Mitglied der bundesdeutschen Wahlbeobachtungsdelegation leider dem Irrtum, daß der Wahlsieg von Violeta Chamorro als Ergebnis der freiesten Wahlen, die es jemals in Lateinamerika gegeben habe, anzuerkennen sei.

April 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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