Ausgabe Juni 1990

Art.23 GG - Ein Phantom entlarvt sich selbst:

Über Inhalt, Funktion und Stellenwert der Artikeldebatte (III)

Wir schrieben gerade den 8. Mai 1990. Doch nicht nur, weil er mit dem notdürftigen Kitten des durch die abgrundtief unehrliche Polenpolitik der BRD zerschlagenen Porzellans in diesen Tagen vollauf beschäftigt war, hat der Bundespräsident, an dessen Worte zum 40. man sich besonders auf der „Linken" gern erinnert, zum 45. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht als des letzten noch funktionsfähigen Teils des zentralen Staatsapparats des „Dritten Reichs" keine zum Nach- und Umdenken auffordernde Rede gehalten. Sie wäre allemal untunlich, vor allem wäre sie der den Blick über den Tag hinaus trübenden Vereinigungshektik abträglich gewesen, die im Augenblick noch einem über die Köpfe der Betroffenen hinweg zustande kommenden „deutsch-deutschen Staatsvertrag zur Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion" den Weg bahnen kann (das Wichtigste dürfte wohl weiterhin in Klammern stehen: daß die „Brüder und Schwestern" von „uns" keinen Ausgleich für Subventionsabbau, Preissteigerungen, Zurückbleiben der Löhne und Arbeitslosigkeit zu erwarten, sondern sich gefälligst selbst dadurch für die kostenlose Überlassung einer zukunftsträchtigen Wirtschaftsordnung dankbar zu erweisen haben, daß sie sich für deren Benutzung fit machen). Der Wahrheit, daß an jenem 8.

Juni 1990

Sie haben etwa 48% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 52% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo