Ausgabe Juni 1990

Chronik des Zeitgeschehens

Chronik vom 6. April 1990 bis 5. Mai 1990

6.4. - K S Z E. Die tschechoslowakische Regierung übermittelt den Teilnehmerstaaten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ein Memorandum, das die "Institutionalisierung" des KSZE-Prozesses in mehreren Etappen vorsieht und als Ziel "ein konföderiertes Europa der freien und unabhängigen Staaten" bezeichnet.

In eigener Sache

Die deutsch-deutsche Entwicklung hat es möglich, zugleich aber auch dringlich gemacht, die "Blätter" in Richtung DDR zu öffnen. Wir freuen uns, heute - als ein Signal dieser Öffnung - vier neue Herausgeberinnen und Herausgeber der "Blätter" begrüßen zu können:

Hauptaufsätze

Wahlflucht

Die Dezemberwahlen könnten die letzten der Bundesrepublik sein, schrieben wir im Märzheft. Im Eiltempo des Anschlußgeschehens ist nun auch dieser erste bundesdeutsche Urnengang nach der Einleitung des Vereinigungsprozesses zur Disposition gestellt worden.

Der Herausforderer

I Nach dem Attentat auf Oskar Lafontaine nahm die deutsche Öffentlichkeit nicht nur Anteil am Schicksal des Verletzten. Im Augenblick der Lebensgefahr war sie entsetzt. Was war passiert?

Art.23 GG - Ein Phantom entlarvt sich selbst:

Wir schrieben gerade den 8. Mai 1990. Doch nicht nur, weil er mit dem notdürftigen Kitten des durch die abgrundtief unehrliche Polenpolitik der BRD zerschlagenen Porzellans in diesen Tagen vollauf beschäftigt war, hat der Bundespräsident, an dessen Worte zum 40. man sich besonders auf der „Linken" gern erinnert, zum 45.

Entwicklung ist mehr als Überleben

In den vergangenen Entwicklungsdekaden konnten Armut und Hunger in der Dritten Welt nicht überwunden werden. Die Diskussion um die Ursachen der Schuldenkrise in den 80er Jahren hat vielmehr deutlich gemacht, in welchem Ausmaß die von den westlichen Industrienationen bestimmte Handels- und Finanzpolitik Anteil an der Produktion von Armut hat.

Selbst erkämpfte Demokratie

Mit den folgenden Beiträgen setzen wir die Reihe von Rückblicken und Ausblicken auf die DDR fort, die im letzten Heft mit Gedanken von Bärbel Bohley, Gerd und Ulrike Poppe, Jens Reich, Wolfgang Ullmann, Konrad Weiß und Rosemarie Will begonnen worden war.

Streitkultur

Verfassungspatriotismus

Der folgende Beitrag des Heidelberger Erziehungswissenschaftlers und Frankfurter Stadtverordneten der Grünen, Micha Brumlik, nimmt die Debatte um die "demokratische Frage" auf, um sie am aktuellen Thema der Auseinandersetzung um die verfassungsmäßig gebotene Form der Vereinigung beider deutscher Staaten zu führen.

Aus ausländischen Zeitschriften

Kopfsprung in die Geschichte

Der Autor dieses Beitrages, Todd Gitlin, lehrt als Professor für Soziologie an der University of California in Berkeley. Er ist mit einer maßgeblichen Untersuchung zum Thema der 68er Bewegung hervorgetreten ("The Sixties - Years of Hope, Days of Rage, New York 1987, Bantam).

Kommentare

Kraftprobe ohne Verlierer

Nur wenige Tage vermochten die Industriegewerkschaft Metall, die inzwischen zur IG Medien formierte IG Druck und Papier und die RFFU sowie die Deutsche Postgewerkschaft (DPG) die Öffentlichkeit im ersten Halbjahr 1990 für ihre tarifpolitischen Ziele zu interessieren.

Standfest

Der Umbruch in der DDR und der deutsch-deutsche Vereinigungsprozeß trafen Frankreich völlig unvorbereitet. Keines der politischen Lager steht der überfallartigen Entwicklung uneingeschränkt positiv gegenüber, auch wenn sich Paris heute den "faits accomplis" gefügt hat.

Medienkritik

Wirtschaftsinformation

Einkommen und Einkommensverteilung in den 80er Jahren

Im abgelaufenen Jahrzehnt hat sich eine deutliche Verschiebung der Einkommensrelationen in der Bundesrepublik ergeben, charakterisiert einerseits durch eine rasche Verbesserung der Einkommen der Unternehmen und Selbständigen und eine Zunahme der Zahl der "Armen" andererseits.

Dokumente zum Zeitgeschehen

Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik

Wir dokumentieren im folgenden den vollen Wortlaut des Verfassungsentwurfs, den die Arbeitsgruppe "Neue Verfassung der DDR" des Zentralen Runden Tisches am 4. April 1990 vorgelegt hat Der Runde Tisch hatte die Arbeitsgruppe mit Beschluß vom 12. März 1990 beauftragt, einen Verfassungsentwurf auszuarbeiten.