Ausgabe Juli 1990

Technikfolgenabschätzung und verantwortliche Ressourcenpolitik

Außer in den USA, wo das parlamentsorientierte Office of Technology Assessment (OTA) fest etabliert ist, Ansehen genießt und wissenschaftlich-pragmatische Maßstäbe setzt, ist in den meisten anderen Industrieländern Technikfolgen-Abschätzung noch in der Diskussion, auch in der Bundesrepublik Deutschland. Die Vielfalt der bundesdeutschen Definitionen, Aufgabenzuweisungen (oft überzogenen) Erwartungen und die Institutionalisierungsversuche beim Deutschen Bundestag werden skizziert, und es wird gezeigt, daß Technikfolgen-Abschätzung ein wissenschaftliches Verfahren darstellt, das insbesondere in politökonomischen Diskussionen kontextspezifisch sehr unterschiedlich ausgestaltet und instrumentalisiert wird. Technikfolgen-Abschätzung verfeinert und vertieft den politökonomischen Diskurs, schlichtet ihn aber nicht.

Die bundesdeutsche Diskussion über Technikfolgen-Abschätzung wird maßgeblich von der beginnenden Umorientierung von Technik, Wirtschaft und Politik auf Ressourcenschonung belebt und verschränkt sich intensiv mit ihr. Hieraus ergeben sich spezifische Aufgaben sowie eine Klassifizierung der Technikfolgen-Abschätzung, die weiterführen könnte als die bisher vorgeschlagenen Typologien. Sie orientiert sich an jeweiligen Akteurskontexten, insbesondere in öffentlicher Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Bürgerinitiativen und Parteien.

Juli 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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