Es hat bei der Annexion der DDR durch die BRD nur wenige Bereiche gegeben, in denen die Geltendmachung des westdeutschen Rechts für das Beitrittsgebiet nicht sofort durchsetzbar war. Das Aufbegehren der Frauenbewegung in Ost und West sowie die Intervention der SPD und anderer Verbände verhinderte die sofortige Einführung der §§218 und 219 im ehemaligen DDR-Territorium. Eine unterschiedliche Rechtslage in den beiden administrativ vereinigten Teilen Deutschlands ist das Resultat. Folgerichtig formuliert der Einigungsvertrag die Beendigung dieses auf Dauer nicht haltbaren Zustandes als Auftrag: „Es ist Aufgabe des gesamtdeutschen Gesetzgebers, spätestens bis zum 31.12.1992 eine Regelung zu treffen, die den Schutz des vorgeburtlichen Lebens und die verfassungskonforme Bewältigung von Konfliktsituationen schwangerer Frauen vor allem durch rechtlich gesicherte Ansprüche für Frauen, insbesondere auf Beratung und soziale Hilfen besser gewährleistet, als dies in beiden Teilen Deutschlands derzeit der Fall ist..." (Kapitel VII, Artikel 31, Absatz 4.) Die Betonung des Schutzes embryonalen Lebens und die Drohung mit dem Bundesverfassungsgericht (die überflüssig ist, da es selbstverständlich ist, daß Bundesgesetze verfassungskonform zu sein haben) machen deutlich, daß es die Absicht der Bundesregierung geblieben ist, der westdeutschen Indikationsregelung auch in der Ex-DDR zur Geltung zu verhelfen.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.