Ausgabe April 1992

Bundeswehr außer Kontrolle?

Taz-Militärexperte Andreas Zumach brachte es an den Tag, was den Mitgliedern des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages bereits seit dem 20. Januar vorlag, ohne daß sie lautstark reagiert hätten: das vertrauliche Papier der Bundeswehr, entstanden nach zweijähriger Diskussion und, so darf man mutmaßen, gleichsam die Visitenkarte des neuen Bundeswehr-Generalinspekteurs Naumann. Der Titel der Vorlage: "Militärpolitische und militärstrategische Grundlagen und konzeptionelle Grundrichtung der Neugestaltung der Bundeswehr" (Wortlaut in "Dokumente zum Zeitgeschehen"). Der Umfang: 11 Seiten, also nicht etwas, was irgendjemand mal irgendwann geschrieben und so halb unbeabsichtigt den Parlamentariern über den Tisch geschoben hätte.

Die späteren Versuche des Verteidigungsministers, das Papier herunterzuspielen, sind also mehr als unglaubwürdig. Grundlegende Bestimmungsfaktoren, Deutsche Sicherheitsinteressen, Beurteilung der Risiken, Auftrag und Fähigkeiten deutscher Streitkräfte, sowie Konzeptionelle Folgerungen lauten die Überschriften der Kapitel.

April 1992

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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