Das „Politbarometer" der Forschungsgruppe Wahlen veröffentlicht seit 1986 nicht mehr die tatsächlich ermittelten Antworten auf seine Sonntagstrage „Wen würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären", sondern manipuliert die Befragungsergebnisse durch eine „Gewichtung". Wie der Wuppertaler Mathematikprofessor Fritz Ulmer berichtet, ging diesem Verfahrenswechsel eine Intervention der CDU voraus. Die Forschungsgruppe Wahlen hinterlegt allerdings die Rohdaten beim Sozialarchiv der Universität Köln. Das Verdienst Professor Ulmers ist, Rohdaten und ZDF-Darstellung miteinander in Bezug gesetzt zu haben und einmalige Einblicke zu ermöglichen. Nur alle vier Jahre, passend zu den Wahlen, nähern sich Befragungsergebnis und Politbarometermeldung einander an. In der Zwischenzeit meldet die Forschungsgruppe Wahlen, was sie für richtig hält. Bei näherer Betrachtung der Koalitionsergebnisse zeigt sich: In 95 Monatsbefragungen erhielten CDU/CSU/FDP nur achtzehnmal 50 oder mehr Prozent der „Wählerstimmen", aber in der Berichterstattung des ZDF-Politbarometers wurde die Koalition 43mal mit absoluter Mehrheit gemeldet. Die „Wähler" drückten die Koalition in immerhin 21 Monatsbefragungen unter 40 Prozent. Das ZDF wollte derartige Meldungen niemandem zumuten: Kein einziges Mal berichtete es von einem solchen Ergebnis.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.