Vergasen, vergiften, erhängen, Starkstrom: Die Amerikaner sind, was Hinrichtungen anbelangt, recht vielfältig. Und sie sind engagiert. Allein im Januar sind sechs Menschen hingerichtet worden, in Texas gleich zwei an einem Tag. Der Bundesstaat Arkansas hat vergangenen Sommer drei Menschen in einer Nacht vergiftet. Die Wärter und Henker sollen nicht so viele Überstunden machen müssen. Landauf, landab, von New York und Maryland bis Texas und Kalifornien legen Gouverneure Gesetzentwürfe vor, um zum Tode Verurteilte zügiger ins Jenseits zu befördern. Der US-Kongreß mit seiner neuen republikanischen Kopf-ab-Mehrheit will die Berufungsmöglichkeiten einschränken: Die Todeshäftlinge wären doch nicht verurteilt worden, wenn sie die Morde nicht begangen hätten; einmal müsse Schluß sein. In mehreren Bundesstaaten dürfen jetzt Angehörige des Mordopfers zuschauen, wenn der Täter von Amts wegen getötet wird. Vielleicht kommen Hinrichtungen bald im Fernsehen? Einer jedoch wird nicht hingerichtet, selbst wenn er des Doppelmordes für schuldig befunden werden sollte: O. J. Simpson, Ex-Footballstar, Fernsehkommentator, Werbemann und Schauspieler, der seit Wochen in Los Angeles vor Gericht steht und angeklagt ist, seine geschiedene Frau Nicole Brown Simpson und Ronald Goldman, einen Freund, vorsätzlich umgebracht zu haben.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.