Ausgabe September 1997

Die Normalität des Stillstands

Politikstillstand - Politikblockade! Alles stöhnt und jammert. Nichts geht mehr. Der Bundespräsident fordert, es müsse ein Ruck durchs Land gehen. Der Kanzler droht mit vierzehn Monaten permanentem Wahlkampf. Der BDI-Präsident will Verfassung und Wahlrecht ändern, er stellt den jetzigen Föderalismus in Frage und will das Mehrheitswahlrecht einführen. Die Elefantenrunden der Parteivorsitzenden sind im Frühsommer nicht zu Potte gekommen, als über die "große Steuerreform" beraten wurde. Der Vermittlungsausschuß tagt zur gleichen Problematik - vergebens. Man geht in die nächste Vermittlungsrunde. "Die Republik ist erstarrt, ihre Strukturen sind verkrustet, die Parteien zu Machtapparaten verkommen. Einflußreiche Interessengruppen verhindern jede Reform oder verwässern sie ... bis zur Unkenntlichkeit", so das harsche Urteil des "Spiegel" (32/1997, S. 63).

Reformbedarf, Reformdruck - und doch scheitern alle Reformprojekte: große Steuerreform, Rentenreform, Gesundheitsreform. Von Bildungsreform spricht und schreibt schon keiner mehr, obwohl sie doch bitter nötig wäre.

September 1997

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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