Ausgabe September 1997

Which Way to Welfare?

Ein neues Europa entsteht - und gleichzeitig eine Herausforderung für die transatlantischen Beziehungen. Noch vor drei Monaten saß in Paris wie in Bonn eine konservative Regierung fest im Sattel, die sich einer einheitlichen europäischen Währung als Gegengewicht zum Dollar verschrieben hatte. Mittlerweile regiert in Frankreich die Linke. Sie sucht nach einer neuen Wirtschaftspolitik. Und Helmut Kohl, noch vor einem Jahr als "der neue Bismarck" gefeiert, sieht sich heute der Möglichkeit einer Wahlniederlage gegenüber. Seine Haushalts und Steuerreformvorschläge scheiterten Anfang August. Bei den für das nächste Jahr anstehenden Bundestagswahlen wird es nun nicht nur darum gehen, Parteien zu wählen. Entschieden wird auch über das Wesen der Gesellschaft.

Helmut Kohl steht für Steuersenkungen, soziale Flexibilität und einen fiskalischen Sparkurs mit dem Ziel, die globale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern und den Euro fristgerecht einzuführen. Die sozialdemokratische Opposition verteidigt die Grundzüge des bisherigen Gesellschaftsvertrags der Bundesrepublik und damit eines der weltweit großzügigsten Systeme sozialer Wohlfahrt. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bereits kommentierte, ist diese Entscheidung eine Wahl wert. Weithin gilt sie als eine zwischen dem amerikanischen und dem westeuropäischen "way of life".

September 1997

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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