Die UNO hat durch die erfolgreiche Vermittlungsaktion von Kofi Anan in der jüngsten Irakkrise einen Teil ihrer verlorenen Ehre wiedergewonnen. In diesem Fall haben sich die Institutionen der UNO als die Kraft in den internationalen Beziehungen erwiesen, die auch zur präventiven Lösung einer Krise auf friedlicher Grundlage in der Lage ist - wenn die Großmächte bereit sind, ihre nationalen Interessen nicht zum ausschließlichen Maßstab des internationalen Friedens zu machen. Doch ändert sich das Bild drastisch, wenn wir nur einige Grade weiter westwärts auf diesem Krisenbogen von Bagdad nach Jerusalem wechseln. Hier hat die UNO in über fünfzig Jahren Diplomatie weder einen Frieden noch ein politisch dauerhaftes Nebeneinander zweier Völker durchsetzen können. Was das eine Volk in diesem Jahr als Triumph der Staatsgründung feiert, betrauert das andere als Katastrophe der eigenen Existenz. Die UNO muß sich seit langem die Kritik des Doppelstandards ebenso vorwerfen lassen wie die US-amerikanische Administration, deren Außenministerin Madeleine Albright von Ohio bis Kairo die bedingungslose Unterstützung Israels im Palästinakonflikt zu verteidigen hatte.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.