Europapolitisch stand das Frühjahr ganz unter dem Zeichen der Agenda 2000. Der eigentliche Anlaß des Reformwerks ging meist im Lärm um die Agrardebatte unter. Im Kern geht es vor allem um die Vorbereitung der EU-Osterweiterung – nach Schröder „die größte und drängendste Aufgabe der EU“. Immerhin hatten bis 1996 insgesamt 14 Staaten Aufnahmeanträge an den Rat gestellt. Voraussetzung für eine Erweiterung der Union sind jedoch grundlegende institutionelle und finanzielle Reformen – sowohl in den Unionsländern, als auch bei den Beitrittskandidaten. Dafür steht die Agenda 2000. Seit April vergangenen Jahres laufen die Beitrittsverhandlungen mit der Sechsergruppe Polen, Ungarn, Tschechische Republik, Slowenien, Estland und Zypern. Der Verfahrensstand ist in den einzelnen Politikressorts höchst unterschiedlich. Einige, wie die gemeinsame Industriepolitik oder die Außen- und Sicherheitspolitik wurden bereits vorverhandelt. Im Umweltbereich findet dagegen zur Zeit erst ein Abgleichen der Rechtsbestände der Union mit denen der Beitrittskandidaten statt. Nach Schätzungen des Zentrums für Europäische Integrationsforschung der Bonner Universität umfaßt der Rechtsbestand der Union inzwischen über 200 000 Textseiten.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.