Europapolitisch stand das Frühjahr ganz unter dem Zeichen der Agenda 2000. Der eigentliche Anlaß des Reformwerks ging meist im Lärm um die Agrardebatte unter. Im Kern geht es vor allem um die Vorbereitung der EU-Osterweiterung – nach Schröder „die größte und drängendste Aufgabe der EU“. Immerhin hatten bis 1996 insgesamt 14 Staaten Aufnahmeanträge an den Rat gestellt. Voraussetzung für eine Erweiterung der Union sind jedoch grundlegende institutionelle und finanzielle Reformen – sowohl in den Unionsländern, als auch bei den Beitrittskandidaten. Dafür steht die Agenda 2000. Seit April vergangenen Jahres laufen die Beitrittsverhandlungen mit der Sechsergruppe Polen, Ungarn, Tschechische Republik, Slowenien, Estland und Zypern. Der Verfahrensstand ist in den einzelnen Politikressorts höchst unterschiedlich. Einige, wie die gemeinsame Industriepolitik oder die Außen- und Sicherheitspolitik wurden bereits vorverhandelt. Im Umweltbereich findet dagegen zur Zeit erst ein Abgleichen der Rechtsbestände der Union mit denen der Beitrittskandidaten statt. Nach Schätzungen des Zentrums für Europäische Integrationsforschung der Bonner Universität umfaßt der Rechtsbestand der Union inzwischen über 200 000 Textseiten.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.